Microsoft bereitet die öffentliche Vorstellung seines KI-Chips der nächsten Generation, Maia 300, für Herbst 2026 vor, möglicherweise bereits im September. Das berichtet The Information, worauf Reuters verweist. Die Vorstellung wäre ein weiterer wichtiger Schritt bei Microsofts Versuch, mehr der Recheninfrastruktur für Azure und seine KI-Dienste mit selbst entwickeltem Silizium aufzubauen.
Die Strategie hängt eng mit dem Ziel zusammen, die Abhängigkeit von teuren Nvidia-KI-Prozessoren zu reduzieren. Die Nachfrage nach generativer KI treibt enorme Investitionen in Rechenzentren, Beschleuniger, Netzwerke und Stromversorgung, weshalb große Cloud-Anbieter eigene Chips entwickeln, um Kosten zu senken, Effizienz zu steigern und mehr Kontrolle über ihre Infrastruktur zu gewinnen.
Maia 300 kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem Microsoft bei maßgeschneidertem KI-Silizium zu Alphabet und Amazon aufschließen muss. Google verbucht bereits Erlöse aus Direktverkäufen seiner Tensor Processing Units, während Amazon die Nutzung seiner Trainium-Prozessoren weiter ausbaut.
Maia 300 könnte bereits im September vorgestellt werden
Reuters zufolge plant Microsoft die Vorstellung von Maia 300 im Herbst, möglicherweise schon im September. Der Termin basiert auf Personen mit direkter Kenntnis der Pläne, die The Information zitiert, und sollte bis zu einer offiziellen Microsoft-Ankündigung als berichtete Information gelten.
Microsoft erklärt, weiterhin in maßgeschneidertes Silizium als Teil seiner langfristigen KI-Infrastrukturstrategie zu investieren. Andrew Wall, General Manager von Azure Maia, sagte Reuters, die genannten Produktionszahlen spiegelten nicht die Größenordnung von Microsofts Programm wider; eigene Produktionsziele nannte das Unternehmen jedoch nicht.
Microsoft verhandelt mit TSMC über mehr als 300.000 Maia 300
Dem Bericht zufolge spricht Microsoft mit TSMC über Fertigungskapazität für mehr als 300.000 Maia-300-Chips zur Auslieferung im Jahr 2027. Dieses Volumen würde das interne KI-Beschleunigerprogramm gegenüber den frühen Maia-Phasen erheblich vergrößern.
Langfristig sind die Ziele noch größer. Microsoft will letztlich Kapazität für mehr als eine Million Maia 300 sichern. Komponentenversorgung und laufende Verhandlungen über verfügbare TSMC-Kapazitäten könnten die Pläne allerdings begrenzen. Reuters konnte TSMC außerhalb der üblichen Geschäftszeiten nicht erreichen.
Anthropic gehört zu den großen Cloud-Kunden, die Microsoft gewinnen will
Microsoft will die Produktion Berichten zufolge deutlich erhöhen und große Cloud-Kunden einschließlich Anthropic von Maia 300 überzeugen. Zuvor war berichtet worden, dass Anthropic über die Anmietung von Servern mit Microsoft-entwickelten Maia-Chips spricht, um zusätzliche Rechenleistung für seine KI-Dienste zu erhalten.
Gelingt es Microsoft, externe Kunden in bedeutendem Umfang zu gewinnen, wäre Maia mehr als ein vor allem intern in Azure genutzter Chip. Er könnte zu einer alternativen Cloud-Rechenplattform für KI-Unternehmen werden, die heute stark von Nvidia-GPUs oder proprietären Beschleunigern anderer Hyperscaler abhängig sind.
Google und Amazon waren bei eigenen KI-Chips schneller
Microsoft liegt beim Skalieren eigener KI-Chips hinter Alphabet und Amazon. Google hat mehrere TPU-Generationen entwickelt und verkauft sie inzwischen direkt an Kunden, während Amazons Trainium-Familie mit dem Ausbau der AWS-KI-Infrastruktur an Verbreitung gewinnt.
Diese Wettbewerbslücke macht Maia 300 strategisch wichtig. Microsoft braucht ausreichende Leistung, Softwareunterstützung, Fertigungskapazität und Kundennachfrage, um seine Custom-Silicon-Investitionen zu rechtfertigen und gleichzeitig die Abhängigkeit von teuren und knappen High-End-Nvidia-Beschleunigern zu reduzieren.
Maia 300 baut auf Maia 200 und der 3-nm-Roadmap auf
Microsoft stellte den ersten Maia-KI-Beschleuniger im November 2023 vor und präsentierte im Januar 2026 die zweite Generation Maia 200. Maia 200 wird von TSMC in 3-Nanometer-Technik gefertigt und enthält viel SRAM, einen On-Chip-Speicher, der Geschwindigkeitsvorteile liefern kann, wenn KI-Systeme große Mengen von Nutzeranfragen verarbeiten.
Maia 300 soll diese Roadmap fortsetzen, doch Microsoft hat vollständige Spezifikationen, Leistungsziele, Preis und allgemeine Verfügbarkeit noch nicht offiziell bekannt gegeben. Bis zur formellen Vorstellung bleiben September, Produktionsmengen und Kundenpläne berichtete Vorhaben und keine endgültigen Zusagen.







